Stell dir vor, du legst dich sanft in eine Kurve, und als du herauskommst, breitet sich das Mittelmeer bis zum Horizont vor dir aus, während sich die Straße zwischen Kalksteinklippen und uralten Pinienwäldern hindurchschlängelt. Genau so fühlt sich Mallorca auf zwei Rädern an. Die Motorradrouten auf Mallorca bieten eine Kombination, die in Europa ihresgleichen sucht: über 1.200 Kilometer gut asphaltierter Nebenstraßen, Landschaften, die sich alle paar Minuten verändern, und Entfernungen, die so kurz sind, dass man die gesamte Insel an einem Wochenende erkunden kann — ganz ohne Hektik.
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ToggleMallorca ist weit mehr als Strände und Hotels. Hinter der touristischen Fassade verbirgt sich ein Netz aus Bergstraßen, Küstenrouten und Strecken durch das Inselinnere, das Motorradfahrer aus ganz Europa längst zum Pilgerort erklärt haben. Von der legendären Ma-10 durch die Serra de Tramuntana bis zur dramatischen Auffahrt zum Cap de Formentor — jede Route hat ihren eigenen Charakter, ihr eigenes Licht und ihren eigenen Grund, mindestens einmal im Leben befahren zu werden.
Das Beste daran: Die Insel belohnt alle, die abseits der üblichen Pfade unterwegs sind. Die weniger bekannten, aber genauso reizvollen Straßen im Osten und im Landesinneren verbinden Dörfer aus goldfarbenem Stein, Mandelfelder und eine Küste, an der versteckte Buchten auftauchen, wenn man es am wenigsten erwartet. Und zwischen den Kurven hält Mallorca Überraschungen bereit, die weit über den Asphalt hinausgehen.
Die Serra de Tramuntana: Wo Motorradfahren auf Mallorca ein neues Level erreicht
Wenn eine Straße das Motorradfahren auf Mallorca definiert, dann ist es die Ma-10. Diese rund 120 Kilometer lange Strecke führt von Südwesten nach Nordosten durch die Serra de Tramuntana — ein Gebirgszug, der 2011 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Der Belag ist erstklassig, die Kurven folgen in gleichmäßigem Rhythmus aufeinander, und die Ausblicke wechseln zwischen offenem Meer auf der einen und Kalksteingipfeln auf der anderen Seite.
Die klassische Route startet in Andratx und führt hinauf nach Pollença, vorbei an Dörfern, die wie aus der Zeit gefallen wirken. Valldemossa empfängt mit Kopfsteinpflasterstraßen und dem Duft warmer Kartoffel-Coca aus den Bäckereien. Deià schmiegt sich wie ein impressionistisches Gemälde aus ockerfarbenen Häusern zwischen Olivenbäumen an den Hang. Und Sóller, eingebettet in sein Tal voller Orangenbäume, lädt zu einer Pause ein, bei der der Kaffee nach Stunden voller Kurven einfach besser schmeckt.
Doch der Abschnitt, den jeder Biker in Erinnerung behält, ist die Abzweigung nach Sa Calobra über die MA-2141. Es sind 12 Kilometer Abfahrt mit engen Haarnadelkurven, die direkt in den Fels geschlagen wurden — darunter der berühmte Nus de sa Corbata (der „Krawattenknoten“), an dem die Straße in einer 270-Grad-Schleife buchstäblich unter sich selbst hindurchführt. Diese Strecke zählt zu den spektakulärsten Motorradrouten Spaniens, und jede Kurve bietet einen atemberaubenden Panoramablick, der die Reise absolut wert ist.
Cap de Formentor: Die Nordspitze auf zwei Rädern
Wenn die Tramuntana das Rückgrat des Motorradfahrens auf Mallorca ist, dann ist das Cap de Formentor das krönende Finale. Die MA-2210 startet in Port de Pollença und führt 20 Kilometer bis zum Leuchtturm am nördlichsten Punkt der Insel, während das Mittelmeer zu beiden Seiten über 200 Meter hohe Klippen in die Tiefe stürzt.
Der Aussichtspunkt Es Colomer, etwa auf halber Strecke, bietet eines der meistfotografierten Panoramen Mallorcas: die gleichnamige kleine Felsinsel, die aus türkisfarbenem Wasser emporragt, während Möwen auf Augenhöhe über dir kreisen. Die Straße wechselt zwischen offenen Abschnitten und kurzen, in den Fels gesprengten Tunneln, und jede Kurve scheint so angelegt zu sein, dass man hinschaut, sanft vom Gas geht und tief durchatmet, bevor man weiterfährt.
⚠️ In der Hochsaison (Juni–September) kann die Zufahrt zum Cap de Formentor für Privatfahrzeuge zu bestimmten Tageszeiten gesperrt sein. Informiere dich vor der Planung deiner Tour über die aktuellen Beschränkungen, damit es unterwegs keine bösen Überraschungen gibt.
Der Osten Mallorcas: Ruhige Strecken mit großer Belohnung
Während die Tramuntana und Formentor die Aufmerksamkeit der Motorradfahrer auf sich ziehen, hütet die Ostküste ein Geheimnis, das einen ganzen Tag verdient. Die Straßen zwischen Artà, Capdepera, Porto Cristo und Santanyí führen durch flaches Ackerland, gesäumt von Windmühlen, Trockensteinmauern und Abzweigungen zu Buchten, deren Wasser dieses unmöglich schöne Blau hat, das nur Posidonia-Seegras erzeugen kann.
Das Tempo hier ist ein anderes. Statt der atemberaubenden Kurven der Tramuntana erwartet dich ein fließender Streckenverlauf, der dazu einlädt, die Landschaft bei gemäßigtem Tempo zu genießen. Porto Cristo ist der perfekte Zwischenstopp für mehr als nur einen Kaffee. Direkt neben dem Ort liegt Dinosaurland, ein Freiluftpark mit über hundert lebensgroßen Dinosaurier-Nachbildungen, der selbst Reisende ohne Kinder überrascht. Zwischen Lebewesen spazieren zu gehen, die die Erde über 160 Millionen Jahre lang beherrschten, rückt unsere eigene kurze Geschichte ganz schön in Perspektive.
Nur wenige Meter entfernt bieten die Cuevas dels Hams ein völlig anderes Erlebnis: eine unterirdische Tour durch Millionen Jahre alte geologische Formationen, gekrönt von einem Live-Konzert klassischer Musik über einem unterirdischen See — etwas, das es in keiner anderen Höhle der Welt gibt. Die Kombination Dinos&Caves macht aus einem einfachen Zwischenstopp einen ganzen Erlebnistag.
Wenn du eine längere Inselroute planst, findest du in unserem Reiseführer Mallorca in 4 Tagen jede Menge Ideen, wie du diese Strecken mit den besten Unternehmungen in jeder Region kombinieren kannst.
Praktische Tipps für deine Motorradtour auf Mallorca
Die beste Reisezeit für eine Motorradtour auf Mallorca liegt zwischen April und Juni oder September und Oktober. Die Temperaturen bewegen sich zwischen 18 und 28 °C, die Straßen sind frei von sommerlichem Gedränge, und das Mittelmeerlicht verwandelt jeden Streckenabschnitt in ein visuelles Erlebnis, das man so schnell nicht vergisst. Im Juli und August kann das Thermometer über 35 °C klettern, und die beliebteren Strecken sind vor allem an Wochenenden überlastet.
Was die Sicherheit betrifft: Die mallorquinischen Straßen sind insgesamt in gutem Zustand, doch in Bergkurven sollte man auf Split (losen Kies) achten und auf Radfahrer, die besonders im Frühling und Herbst in der Tramuntana zahlreich unterwegs sind. Immer Wasser und Sonnenschutz dabeihaben und regelmäßig tanken — in manchen ländlichen Gegenden liegen die Tankstellen weit auseinander.
Du kannst dein eigenes Motorrad per Fähre von Barcelona, Valencia oder Denia mitbringen oder in Palma eines mieten. Dort gibt es alles, vom Stadtroller bis zur Enduro oder Naked Bike für Bergstraßen. Die nötigen Unterlagen sind die üblichen: gültiger Führerschein, Versicherung und Fahrzeugpapiere. Frühzeitiges Buchen in der Hochsaison kann dir bis zu 40 % beim Fährpreis ersparen.
Häufig gestellte Fragen zu Motorradrouten auf Mallorca
Welche Motorradstrecke auf Mallorca eignet sich am besten für Anfänger?
Die Ostküstenroute von Artà über Porto Cristo nach Santanyí ist ideal, wenn du eine Tour ohne anspruchsvolle Kurven suchst. Die Strecke ist sanft, der Verkehr überschaubar, und Stopps an Buchten, Dörfern und Attraktionen wie Dinosaurland in Porto Cristo machen die Fahrt genauso spannend wie das Fahren selbst. Rechne mit etwa 3–4 Stunden inklusive Pausen, um alles in Ruhe zu genießen.
Wie lang ist die Motorradstrecke durch die Serra de Tramuntana?
Die Ma-10 von Andratx nach Pollença umfasst rund 120 Kilometer. Mit empfehlenswerten Abstechern wie der Abfahrt nach Sa Calobra (24 km hin und zurück) und Stopps in Dörfern wie Valldemossa, Deià und Sóller kann eine komplette Tagestour aber schnell 250–300 Kilometer erreichen. Erfahrene Fahrer empfehlen, sich mindestens zwei Tage Zeit zu nehmen, um die Strecke wirklich genießen zu können.
Kann man Dinosaurland in Porto Cristo während einer Motorradtour über Mallorca besuchen?
Aber klar! Dinosaurland liegt direkt in Porto Cristo an der Ostküste und bietet kostenlose Parkplätze, auf denen du dein Motorrad sorgenfrei abstellen kannst. Ein kompletter Besuch dauert etwa 2–3 Stunden und ist die perfekte Pause zwischen zwei Etappen. Nebenan locken zudem die Cuevas dels Hams, deren konstante Innentemperatur von 18 °C an heißen Tagen für die willkommenste Abkühlung überhaupt sorgt.
Brauche ich eine Sondergenehmigung, um mein Motorrad per Fähre nach Mallorca mitzunehmen?
Nein, du brauchst keine besondere Genehmigung. Du kannst dein Motorrad auf den Fähren ab Barcelona, Valencia oder Denia mit den üblichen Unterlagen einschiffen. Die wichtigsten Reedereien sind Baleària und Trasmediterránea, mit Überfahrten zwischen 4 und 8 Stunden je nach Abfahrtshafen und Schiffstyp. In der Hochsaison ist frühzeitiges Buchen unerlässlich, um gute Preise und Verfügbarkeit zu sichern.



