Eine Hand mit drei Funktionen
Die Hand des Iguanodon gehört zu den ungewöhnlichsten Konstruktionen der Kreidezeit. Ihre fünf Finger erfüllten drei verschiedene Aufgaben.
Der Daumen bildete den berühmten Stachel: eine massive, kegelförmige und unbewegliche Spitze. Möglicherweise diente sie zur Verteidigung gegen Fressfeinde oder als Werkzeug zum Aufbrechen harter Samen und Früchte.
Die drei mittleren Finger endeten in Hufen und trugen das Gewicht, wenn Iguanodon auf allen vieren lief.
Der fünfte Finger war lang, beweglich und greiffähig. Er stand seitlich ab und konnte zum Greifen gekrümmt werden. Eine Hand hatte also einen Finger zum Festhalten, drei zum Laufen und einen zum Stechen.
Wie Iguanodon kaute, bevor es echtes Kauen gab
Echtes Kauen, bei dem Nahrung durch seitliche Bewegungen zermahlen wird, verbinden wir mit Säugetieren. Reptilien können ihren Kiefer normalerweise nur öffnen und schließen.
Iguanodon löste das Problem anders. Sein Schädel besaß bewegliche Verbindungen zwischen den Gesichtsknochen. Wenn er das Maul schloss, bewegten sich die Oberkiefer leicht nach außen. Dadurch rieben die oberen Zähne mahlend an den unteren entlang.
Dieser Mechanismus heißt Pleurokinese und war ein Grund für den Erfolg der Ornithopoden. Er erlaubte ihnen, harte Pflanzen zu verwerten, die andere Pflanzenfresser kaum verarbeiten konnten. Aus dieser Linie gingen später die Hadrosaurier hervor, die am Ende der Kreidezeit besonders häufig waren.
Der Iguanodon im Dinosaurland
Im Park steht ein lebensgroßer Iguanodon. An ihm lässt sich besonders gut erkennen, worum es bei diesen Tieren geht: Nicht die Zähne beeindrucken, sondern die Größe eines Dinosauriers, der ausschließlich Pflanzen fraß.
Spannend ist auch der Vergleich mit seinen Verwandten. Ouranosaurus war ein nah verwandter Iguanodontier mit einem Rückensegel, das Iguanodon nicht besaß. Parasaurolophus und Tsintaosaurus gehören zu den Hadrosauriern, die aus dieser Linie hervorgingen und ihre Art zu kauen erbten. Triceratops zeigt den anderen großen Zweig der Vogelbeckendinosaurier.
Der Iguanodon steht auf einem Freigelände zwischen Pinien in Porto Cristo auf Mallorca. Dort sind mehr als 100 lebensgroße Dinosaurier aus rund 40 Arten zu sehen. Viele sind animatronisch und bewegen sich oder geben Laute von sich, wenn Besucher näher kommen. Alle Arten finden Sie im Dinosaurierbereich.
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Häufig gestellte Fragen zum Iguanodon
Was bedeutet Iguanodon?
„Leguanzahn“. Gideon Mantell gab ihm 1825 diesen Namen, weil die fossilen Zähne aus Sussex denen eines heutigen Leguans ähnelten, aber viel größer waren.
War Iguanodon der erste entdeckte Dinosaurier?
Er war der zweite Dinosaurier mit einem wissenschaftlichen Namen: 1825, nach Megalosaurus im Jahr 1824. Zusammen mit Megalosaurus und Hylaeosaurus gehört er außerdem zu den drei Gattungen, für die Richard Owen 1842 den Begriff „Dinosauria“ prägte.
Wie groß war Iguanodon?
Etwa 10 Meter lang und an der Hüfte 2,7 Meter hoch, bei einem Gewicht von 3 bis 4,5 Tonnen.
Warum hatte er einen Stachel am Daumen?
Das ist nicht sicher geklärt. Möglich sind die Abwehr von Fressfeinden und die Nutzung als Werkzeug zum Öffnen harter Samen oder Früchte. Fest steht, dass der Stachel massiv und unbeweglich war.
Stimmt es, dass man seinen Daumen auf die Nase setzte?
Ja. Bei der ersten Rekonstruktion aus einzelnen Knochen deutete man das kegelförmige Stück als Nasenhorn. So wurde Iguanodon 1854 für die Dinosaurier im Londoner Crystal Palace modelliert. Der Fehler wurde 1878 durch die vollständigen Skelette aus Bernissart erkannt.
Lief Iguanodon auf zwei oder vier Beinen?
Beides. Meist bewegte er sich auf allen vieren, konnte sich aber aufrichten, um hohe Zweige zu erreichen, zu laufen oder sich zu verteidigen. Alte Darstellungen, in denen er wie ein Känguru aufrecht steht und sich auf den Schwanz stützt, sind falsch.
Was fraß Iguanodon?
Pflanzen: Farne, Palmfarne, Nadelpflanzen und niedrige Vegetation. Mit seinem zahnlosen Hornschnabel schnitt er sie ab, mit ständig nachwachsenden Zahnreihen zermahlte er sie. Wangenähnliche Strukturen hielten das Futter im Maul.
Wo wurden Iguanodon-Fossilien gefunden?
In Westeuropa: Belgien, England, Deutschland und Spanien. Der größte Fund gelang 1878 in einem Kohlebergwerk bei Bernissart in Belgien. Dort wurden etwa 38 Skelette in 322 Metern Tiefe entdeckt.
Ist Aladar aus dem Film Dinosaurier ein Iguanodon?
Ja. Die Hauptfigur des Disney-Films aus dem Jahr 2000 ist ein Iguanodon. Der Film nimmt sich allerdings Freiheiten: Aladar lebt dort neben Arten aus anderen Zeiten und von anderen Kontinenten.
Kann man auf Mallorca einen lebensgroßen Iguanodon sehen?
Ja. Im Dinosaurland in Porto Cristo steht er auf einem Freigelände mit mehr als 100 lebensgroßen Dinosauriern, von denen viele animatronisch sind.
Der Dinosaurier, der uns das Irren lehrte
Sechzig Jahre lang sah jeder ein Horn, wo ein Daumen war. Das lag nicht an Nachlässigkeit: Mit den damals verfügbaren Knochen war diese Schlussfolgerung nachvollziehbar.
Nicht eine bessere Idee veränderte die Geschichte, sondern 38 vollständige Skelette, die dreihundert Meter tief in einem belgischen Bergwerk auftauchten. Deshalb gehört Iguanodon bis heute zu den Lieblingsdinosauriern vieler Paläontologen: nicht nur wegen des Tieres selbst, sondern wegen dessen, was es uns über unser begrenztes Wissen beigebracht hat.